Archive for the 'rassismus' Category

“Titel”

Müsste ich denn meinen derzeitigen geistigen Zustand betiteln, wäre wohl am ehesten Folgendes passend:
Wie aus einer “Debatte” um einen rassistischen Jungle-World-Artikel eine handfeste weltanschauliche Krise wurde.


Nunja. Schaden kann’s nicht. Lesen, nachdenken.

Edit:
Der Titel könnte auch lauten: Anständige Antideutsche und so.

daß “der kapitalismus” böse ist, ist ja wohl allseits bekannt.

gegen den kommunismus habe ich soviel wie gegen den kapitalismus.

Sonst noch was? Nein. Außer: Ich werde nicht mehr so viel hier sein, weil Forum.

Österreichische Vermessungen

Eine weitere Meldung über dieses ach so sympathische Land:

Und wieder einmal tut sich Österreich innerhalb der EU-Staatengemeinschaft als besonderer Hardliner in Asylfragen hervor: Ein pensionierter Allgemeinmediziner prüft im Auftrag des Innenministeriums jugendlich wirkende Asylwerbende auf Schilddrüse und Niere, um ihr Alter festzustellen - mehr noch: Kopfumfang und Zahnstand werden vermessen, das Haupthaar und das “Hautcolorit” überprüft -, und das alles im Schnellverfahren. Hilfsorganisationen kritisieren, dass dabei (Überraschung!) zu 90 Prozent herauskommt, dass die Untersuchten Erwachsene sind und deswegen weit weniger Schutz vor Abschiebung bei laufendem Asylverfahren genießen.

Weiter beim Standard

3 österreichische Helden

Der Sanitäter Andreas Weiss wird in einer neuen ORF-Doku-Soap als ‘Held der Wiener Rettung’ gefeiert. Unter seinen Füßen erstickte der Afrikaner Cheibani Wague. [...]
‘Diese drei Männer sind wahre Helden des Alltags’, sagt Dodo Roscic, Leiterin der ORF-Programmentwicklung, ‘ich bin stolz, dass wir sie und ihre harte Arbeit ins Rampenlicht bringen können, genau wie ihre unerschrockenen Persönlichkeiten und ihren unermüdlichen Schmäh.’ [...]
Eines bleibt in den PR-Berichten von ORF und Rettung unerwähnt: Einer der drei heldenhaften Rettungsfahrer war schon einmal im Fernsehen zu sehen. Im Juli 2003 sah man Andy Weiss, 45, zwar nicht im Unterhaltungsprogramm, dafür aber in den Nachrichten. Der ORF-’Report’ sendete ein verwackeltes Schwarz-Weiß-Amateurvideo, das der Falter bei einem Anrainer des Wiener Stadtparks aufgetrieben hatte. [...] Im Scheinwerfer eines Einsatzfahrzeugs lag ein Mann regungslos am Bauch. Die Person wurde von Sanitätern und Polizisten zu Boden gedrückt, während ein Amtsarzt mit den Händen im Hosensack daneben stand, als ob ihn das Schicksal des Patienten nichts anginge.
Der Mann, der da gerade starb, war Cheibani Wague. Der 33-jährige Physikstudent und Krankenpfleger aus Mauretanien schnappte, wie man heute weiß, vergeblich nach Luft, weil er mit dem Bauch nach unten gegen den Asphalt gedrückt wurde.
Eine Person stand während des Todeskampfes sogar mit seinem Bein auf dem Afrikaner: Andy Weiss, 45, jener ‘ehemalige Fiakerfahrer’, der sich nun als TV-Star in Szene setzt. Weiss ist nach wie vor bei der Rettung tätig, denn das Gericht hatte ihn vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Die Rettung hob seine Suspendierung auf. Die Rettung findet - ebenso wie der ORF - heute, fünf Jahre später, nichts mehr dabei, ihn nun als Helden zu vermarkten. (no-racism.net)

httpv://www.youtube.com/watch?v=Oak8yvrBpHY

Beschwerdemails koennt ihr an den ORF an folgende Adressen:
kundendienst@orf.at sowie auch an publikumsrat@orf.at schicken.

via Wut im Baum

“Ausländische” kriminelle Jugendliche

Bei diesen Jugendlichen handelt es sich durchweg um Personen, die in Deutschland geboren wurde und ihre gesamte in die Kriminalität führende Sozialisation hierzulande durchlaufen haben. Das auf frühzeitige Selektion getrimmte und Kinder mit “Migrationshintergrund” in besonderer Weise benachteiligende deutsche Schulsystem hat es ihnen schon als Elfjährigen schriftlich gegeben, dass sie in diesem Leben leider nicht mehr gebraucht werden, sondern zu den vom Kapitalismus regelmäßigf produzierten Überflüssigen gehören. Hinterher wundert man sich scheinheilig über mögliche Folgen, die so unerwünscht vielleicht gar nicht sind, schließlich belegen sie nun auch empirisch die zivilisatorische Überlegenheit der “deutschen Leitkultur”.

Zu eine Romantisierung der von der Gesellschaft Ausgespuckten besteht freilich kein Anlass. Von Widerständigkeit gegen die ihnen auferlegten Zumutungen kann keine Rede sein, wie sollte es auch, wurde sie doch gebrochen, bevor sie überhaupt aufkommen könnte. Mit den ihnen verbliebenen Mitteln rufen sie bloß die andressierten bürgerlichen Tugenden ab: Eigennutz, Durchsetzungsfähigkeit, Männlichkeit. In den Gewalttaten zeigt sich die inzwischen erreichte Verwahrlosung des männlichen Konkurrenzsubjekts, wie sie auf der anderen Seite und nach seinen Möglichkeiten ein Roland Koch repräsentiert. Deshalb handelt es sich im Übrigen bei der skandalisierteb “Gewaltbereitschaft” auch um ein allgemeines kapitalistisches Problem, das sich keineswegs auf Jugendliche mit migrantischer Herkunft beschränkt, wie in Teilen des medialen Diskurses suggeriert wird.

Robert Kurz, Editoral EXIT! (5/2008)