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Österreichische Vermessungen

Eine weitere Meldung über dieses ach so sympathische Land:

Und wieder einmal tut sich Österreich innerhalb der EU-Staatengemeinschaft als besonderer Hardliner in Asylfragen hervor: Ein pensionierter Allgemeinmediziner prüft im Auftrag des Innenministeriums jugendlich wirkende Asylwerbende auf Schilddrüse und Niere, um ihr Alter festzustellen - mehr noch: Kopfumfang und Zahnstand werden vermessen, das Haupthaar und das “Hautcolorit” überprüft -, und das alles im Schnellverfahren. Hilfsorganisationen kritisieren, dass dabei (Überraschung!) zu 90 Prozent herauskommt, dass die Untersuchten Erwachsene sind und deswegen weit weniger Schutz vor Abschiebung bei laufendem Asylverfahren genießen.

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“Ausländische” kriminelle Jugendliche

Bei diesen Jugendlichen handelt es sich durchweg um Personen, die in Deutschland geboren wurde und ihre gesamte in die Kriminalität führende Sozialisation hierzulande durchlaufen haben. Das auf frühzeitige Selektion getrimmte und Kinder mit “Migrationshintergrund” in besonderer Weise benachteiligende deutsche Schulsystem hat es ihnen schon als Elfjährigen schriftlich gegeben, dass sie in diesem Leben leider nicht mehr gebraucht werden, sondern zu den vom Kapitalismus regelmäßigf produzierten Überflüssigen gehören. Hinterher wundert man sich scheinheilig über mögliche Folgen, die so unerwünscht vielleicht gar nicht sind, schließlich belegen sie nun auch empirisch die zivilisatorische Überlegenheit der “deutschen Leitkultur”.

Zu eine Romantisierung der von der Gesellschaft Ausgespuckten besteht freilich kein Anlass. Von Widerständigkeit gegen die ihnen auferlegten Zumutungen kann keine Rede sein, wie sollte es auch, wurde sie doch gebrochen, bevor sie überhaupt aufkommen könnte. Mit den ihnen verbliebenen Mitteln rufen sie bloß die andressierten bürgerlichen Tugenden ab: Eigennutz, Durchsetzungsfähigkeit, Männlichkeit. In den Gewalttaten zeigt sich die inzwischen erreichte Verwahrlosung des männlichen Konkurrenzsubjekts, wie sie auf der anderen Seite und nach seinen Möglichkeiten ein Roland Koch repräsentiert. Deshalb handelt es sich im Übrigen bei der skandalisierteb “Gewaltbereitschaft” auch um ein allgemeines kapitalistisches Problem, das sich keineswegs auf Jugendliche mit migrantischer Herkunft beschränkt, wie in Teilen des medialen Diskurses suggeriert wird.

Robert Kurz, Editoral EXIT! (5/2008)

Fakten

Interessant ist etwa der Befund, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund umso gewalttätiger sind, je länger sie in Deutschland leben (vgl. Landeskommission Berlin 2007).

Es lässt sich kein empirischer Zusammenhang zwischen islamischer Religiosität und Gewalttätigkeit in der kriminologischen Forschung feststellen. (Ebd.)

Vorhandene Zusammenhänge: Armut, schlechte Wohnverhältnisse, schlechte berufliche Zukunftsperspektiven, Minderheitensituation, Erfahrungen mit Diskriminerung und Rassismus.