Ein gutes Beispiel für Wie halluziniere ich nen (Neo)Nationalsozialismus her? ist Mario Möllers Text. Mit dem special feature: Die Westdeutschen sind die neuen Jüd/innen.
Ich mein’, ich bin mir schon dessen bewusst, dass fast jede/r Deutsche mal gerne NS-Opfer wäre - es hat sich da wohl aus einem mir nicht bekannten Grund die Anschauung etabliert, Opfer-Sein sei was Tolles, was wahrscheinlich jedes wirkliche NS-Opfer am Verstand des sich als Opfer Gerierenden zweifeln lässt -, aber dass da jetzt schon ganz Westdeutschland als neuer “Gesamtjude” bestimmt wird, find’ ich dann halt schon etwas übertrieben. Um’s mal so auszudrücken. Zum Hang zur Totalitarismustheorie, der da in dem Text durchscheint, sag’ ich erst gar nichts.
Der liebe Herr Möller soll sich doch bitte mal mit vulgären Nationalismus, der sich natürlich auch in der Form des Regionalismus äußern kann, beschäftigen. Und was er da als nationalsozialistische Betriebsmentalität umschreibt, ist hundsgewöhnliche “Wir sind ein Team”-Rhetorik. “Wir müssen zusammenhalten”, gratis Überstunden leisten etc, denn “dann können wir die Arbeitsplätze halten “/ “bringen wir Deutschland vorwärts”.
Und bevor ich’s vergesse: Marx’ Ausführungen zur Kolonisierung Indiens in Zusammenhang mit Ostdeutschland zu bringen, ist - wie soll ich mich ausdrücken? - jenseitig. Oder gibt’s in Ostdeutschland wirklich erst seit der Wiedervereinigung Kapitalismus? Echt jetzt? Krasse Scheisse! Da sagt man immer, die weißen Flecken würden immer kleiner und kleiner bzw. seien gar nimmer da - und dann: Ostdeutschland, bis vor kurzem noch ne vormoderne Gesellschaft!
Edit, glatt vergessen: bikepunk hat sich schon 2007 Möllers Umgang mit Ergebnissen empirischer Studien gewidmet, bei critique aujourd’hui fragt man sich in der Kommentarspalte auch, was das soll:
Totalitarismustheorie, Relativierung, Drogeneinfluss? [...] Man wünscht sich Untersuchungen über eine indirekte (vllt. selbst-therapeutische) Funktion solcher Texte, eine offenkundige gibt es nicht.





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